Kommunikationsförderung

 

UK/Kommunikation

„Kommunikation ist ein Grundbedürfnis und subjektiv für Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Sie ist eine wesentliche Bedingung für soziale Partizipation und Selbstbestimmung und zudem wichtige Grundlage jeder Entwicklung.“ (Wilken 2006,1)

Kommunikation

Kommunikation ist die Grundlage jeder Interaktion auf allen Ebenen, sei es die nonverbale Kommunikation mittels des Körpers oder die Kommunikation mittels der Sprache in mündlicher und schriftlicher Form. Kommunikation wird dann als erfolgreich empfunden, wenn wir uns in unserem Inneren verstanden fühlen und auf unsere Umwelt unmittelbar Einfluss nehmen können (vgl. Braun 2003).

Laut Spitz (vgl. 1992) bedeutet jede Lebensäußerung eines Menschen auch Kommunikation. Dies ist unabhängig davon, ob diese kommunikative Äußerung beabsichtigt war oder nicht. Kommunikation wird besonders in der Sonderpädagogik grundsätzlich als „soziales Handeln in Beziehung“ (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung 2009, 15) verstanden. Durch das gemeinsame Beschäftigen miteinander auf einer bewussten oder unbewussten Ebene zeigt sich, dass Kommunikation mehr umfasst als nur die verbale Sprache (vgl. Wilken 2006).

Kommunikation entsteht, laut dem Co-Creating-Communications-Modell nach Nafstad/Rødbroe (1999), in Gemeinsamkeit, auf der Grundlage von emotionaler Verbundenheit zu seinen primären Bezugspersonen mit einer gemeinsamen Steuerung der erlebten Nähe und Distanz.

Wichtige Grundlage dafür ist eine gemeinsam gesteuerte soziale Interaktion, in der das Kind seine erste Selbstwirksamkeit erfährt, seine Absichten deutlich machen kann und anfängt selber Reaktionen zu erahnen. Außerdem ist eine gemeinsam gesteuerte Exploration mit Gegenständen, Umgebungen und Aktivitäten zur Wortschatzerweiterung sehr bedeutsam.

Auf der Grundlage dieser ganzen Erfahrungen entwickelt sich dann eine gemeinsam aufgebaute Kommunikation mit einem gemeinsam ausgehandelten Vokabular (vgl. ebd.).

Literatur

Braun, U. (2003): Was ist Unterstütze Kommunikation? In: Handbuch der Unterstützen Kommunikation. Karlsruhe

Nafstad, A. ; Rødbroe, I. (1999): Co-Creating Communication. Original: Dronninglund, Denmark, deutsche Übersetzung: Deutsches Taublindenwerk gGmbH, Hannover 2002

Spitz, R.A. (1992): Nein und Ja. Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation. Stuttgart

Wilken, E. (2006): Unterstützte Kommunikation. Eine Einführung in Theorie und Praxis. 2. Aufl. Stuttgart

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Unterstütze Kommunikation – Was ist das?

Unterstütze Kommunikation ist „die deutsche Bezeichnung für das international etablierte Fachgebiet AAC (Augmentative und Alternative Communication), das sich der Verbesserung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen mit schwer verständlicher bzw. fehlender Lautsprache zum Ziel gesetzt hat. Wie der internationale Terminus verdeutlicht, geht es bei dem Ansatz um Kommunikationsformen, die unzureichende Lautsprache ergänzen (augmentative communication) bzw. ersetzen (alternative communication)“ (Braun 2003, 01.003.001).

Von Tetzchner/Martin (2000) unterscheiden dabei drei Zielgruppen:

1. Menschen, die Lautsprache gut verstehen können, aber unzureichende kommunikative Möglichkeiten besitzen, sich selbst auszudrücken.

2. Menschen, die Unterstützung zum Lautspracherwerb benötigen, bzw. deren lautsprachliche Fähigkeiten nur dann für andere verständlich sind, wenn sie bei Bedarf über ein zusätzliches alternatives Hilfsmittel verfügen.

3. Menschen, für die Lautsprache als Ausdrucksform zu komplex ist und die dafür einen adäquaten Ersatz benötigen (vgl. ebd.).

Unterstützte Kommunikation lässt sich als ein Ansatz der „totalen Kommunikation“(Kristen 2005,16) bezeichnen, d.h. sämtliche Möglichkeiten, einem nichtsprechenden Menschen ein wirksames Kommunikationssystem bereitzustellen, werden genutzt, dabei ist das einzige maßgebliche Kriterium die Effektivität für den jeweiligen Benutzer. Durch den Einsatz von Unterstützter Kommunikation können Menschen ohne ausreichende Lautsprache erleben, dass sie ihre Umwelt beeinflussen können, indem sie kommunizieren. Daraus folgt eine Stärkung des Selbstwertgefühls, eine Intensivierung persönlicher Beziehungen und eine bessere gesellschaftliche Integration (vgl. Kristen 2005).

In der Unterstützen Kommunikation kann man die unterschiedlichen Kommunikationsformen in drei Kategorien einteilen:

Schaubild UK

(vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung 2009)

Literatur

Braun, U. (2003): Was ist Unterstütze Kommunikation? In: Handbuch der Unterstützen Kommunikation. Karlsruhe

Kristen, U.(2005): Praxis Unterstützte Kommunikation. Eine Einführung. Düsseldorf

Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung Hrsg. (2009): Unterstütze Kommunikation in Unterricht und Schule. München

Von Tetzchner, S.; Martinsen , H. (2000): Einführung in die Unterstützte Kommunikation. Heidelberg

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Bedeutsame Aspekte der Unterstützten Kommunikation an der Vorgebirgsschule

Die zahlreichen Maßnahmen der Unterstützen Kommunikation werden an der Vorgebirgsschule schon seit vielen Jahren schwerpunktmäßig unterrichtsimmanent in allen Klassen praktiziert, da ca. 50% unserer SuS sich nicht, nur schwer verständlich oder nur unter günstigen Bedingungen lautsprachlich anderen Menschen mitteilen können.

Um Partizipationsmöglichkeiten für diese SuS in der Schule und im Lebensalltag wahrnehmen zu können, benötigen sie unter anderem Maßnahmen der Unterstützen Kommunikation. Dadurch wird ihnen eine Teilhabe in allen Lebensbereichen eröffnet. Für den Unterricht an der Vorgebirgsschule bedeutet das Teilhabe an Bildung und Erziehung, wobei das Ziel ist, jeden SuS mit seinen individuellen Kommunikationsmöglichkeiten weitgehend im Schultag in den gemeinsamen Klassenunterricht miteinzubinden.

Die Anbahnung und weitere Förderung der kommunikativen Kompetenzen unserer SuS mit kommunikativen Unterstützungsbedürfnissen ist daher eine zentrale Aufgabe an der Vorgebirgsschule. Im Vordergrund bei der Förderung der kommunikativen Kompetenzen steht der „multimodale Ansatz“, das heißt, dem Schüler bzw. der Schülern werden viele unterschiedliche Kommunikationsformen angeboten, die er oder sie parallel anwenden kann. Es muss sich nicht nur auf eine Kommunikationsform konzentriert werden, da es gerade außerhalb der Schule und desElternhauses bzw. des Heimes von unschätzbarem Vorteil ist, sich mit unterschiedlichen Kommunikationsformen mitteilen zu können. Die Kommunikationsform ist somit auch abhängig von dem jeweiligen Kontext in dem sie stattfindet, auch bei sehr basal kommunizierenden SuS.

Die UK-Förderung findet hauptsächlich im normalen Unterrichtsalltag statt, indem sie in alle Unterrichtsbereiche und -rituale miteingeflochten wird. Selbstverständlich finden auch UK-Einzelförderungen oder UK-Kleingruppenförderungen statt, dafür steht je nach Bedarf der UK/Besprechungsraum zur Verfügung. Dennoch wird viel Wert darauf gelegt, die SuS mit UK-Unterstützungsbedürfnissen möglichst im normalen Klassengeschehen mit ihren individuellen Kommunikationsverhalten einzubinden und zu fördern, um „isolierte Trainingssituationen“ weitgehend zu vermeiden.

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Aufgabenbereiche der UK-Beauftragten und des UK-Teams

Zwei UK-Beauftragte sowie ein UK-Team, bestehend aus KollegInnen aller Stufen, kümmern sich um alle Belange bezüglich der Unterstützen Kommunikation in der Schule.

Zu deren Aufgabenbereichen gehören:

►Teilnahme und Austausch in der „Regionalen Fachkonferenz Unterstütze

 Kommunikation der Förderschulen GG und KM im Rhein-Sieg-Kreis“

► Teilnahme und Austausch im „Arbeitskreis Unterstütze Kommunikation

 der Förderschulen GG der Bezirksregierung Köln“

► Anschaffung von themenspezifischer Literatur

► Anschaffung, Wartung und Verwaltung von UK-Hilfsmitteln

►Information des Kollegiums über vorhandene UK-Medien und deren

 Einsatzmöglichkeiten im Schulalltag

► Implementierung konzeptioneller Überlegungen ins Schulteam und in die Klassen

► Organisation kollegiumsinterner und –externer Fortbildungen

► Einführung in die Unterstütze Kommunikation für neue FSJlerInnen,

 BFDlerInnen, SchulbegleiterInnen und Interessierte

► Beratung von KollegInnen, Eltern und HeimmitarbeiterInnen bezüglich

Anschaffung und Beantragung von UK-Hilfsmitteln oder anderen

 Interventionsmaßnahmen der Unterstützen Kommunikation sowie deren Nutzungsmöglichkeiten

►Beratung von außerschulischen Institutionen und Eltern

►Jährliche Erfassung der SuS mit UK-Bedarf

►…und einiges mehr

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Ausleihe UK-Materialien und Literatur

Dem Kollegium steht ein Ausleihpool im UK-Schrank/UK-Besprechungsraum zur Verfügung, aus dem es sich jederzeit Hilfsmittel für seine UK-SuS ausleihen kann. Dieser Ausleihpool beinhaltet folgende Hilfsmittel:

►Einfache Sprachausgabegeräte (BigMack, Step-by-Step, Supertalker etc.)

►Ursache-Wirkungs-Geräte (PowerLink, ansteuerungsfähiges Spielzeug etc.)

►Vorlesebücher- und stifte (Ting, Anybook)

►Zubehör (Tasten, Schalter, Netzteile etc.)

►Symbolsammlungen (Boardmaker, Metacom, etc.)

►Software und Hardware

Im UK-Schrank gibt es zudem noch die Möglichkeit, Kataloge, Benutzungshandbücher, didaktisches Material u.v.m. einzusehen und bedingt auszuleihen sowie den Schriftverkehr bei der Antragsstellung und Kostenübernahme der UK-SuS für basale bzw. komplexe Kommunikationshilfen samt des Formulars „Schülerdaten für die Versorgung mit UK-Geräten“ für den jeweilige/n SuS abzuheften.

Außerdem kann themenspezifische Literatur in der Lehrerbibliothek ausgeliehen werden. Diese beinhaltet neben einer „Ideensammlung zur Unterstützen Kommunikation“ auch eine in der Regionalkonferenz UK Rhein-Sieg-Kreis selbst entwickelte „Handreichung UK - Diagnostik und Beratung“. Das „Handbuch der Unterstützen Kommunikation“ und andere Fachliteratur stehen dort bereit.

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UK-Plattform auf der Homepage

Im internen Homepagebereich der Vorgebirgsschule befinden sich zum internen Austausch im Fachgebiet „UK“ viele Informationen und Formulare in Form von Downloadmaterial zu folgenden Themen:

►Allgemeines

►Fokuswörter

►Kommunikationsbücher

►Statistik

►Sprachausgabegeräte

►Pädagogische Stellungnahmen

►Gebärden Bildkarten

►Themenbezogene Gebärden

►Aktuelle Links

Eine Aktualisierung der Themenbereiche und das Hinzufügen neuer Themenbereiche finden regelmäßig statt.

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Einheitliche Vokabularauswahl

An der Vorgebirgsschule orientiert sich die Vokabularauswahl hauptsächlich an dem Kernvokabular mit einem besonderen Fokus auf die Fokuswörterreihen nach Sachse/Willke (2011).

Kernvokabular

Das Kernvokabular bezeichnet die 200-300 Wörter einer Sprache, die situationsunabhängig am häufigsten gebraucht werden. Interessant ist hierbei, dass diese Wörter etwa 80% des Gesprochenen ausmachen, unabhängig von Gesprächsthema oder Alter. Ebenso bedeutsam ist das geringe Vorkommen von Substantiven (nur ca. 10%). Der Großteil des Kernvokabulars setzt sich aus so genannten kleinen Wörtern (Adverbien, Konjunktionen, Pronomen und Präpositionen) zusammen sowie einigen Inhaltswörtern in Form von Verben, Substantiven und Adjektiven (vgl. Boenisch/Musketa/Sachse 2007).

Für die Unterrichtspraxis bedeutet das, das sich die Sprachförderung von SuS, die kaum, gar nicht oder nur unter günstigen Umständen lautsprachlich kommunizieren können, von einer durch Substantive geprägten Kommunikation verabschieden muss, hin zu einer Aufnahme eines großen Anteils anderer Wortarten.

Fokuswörter

Gail van Tatenhove (2008) hat im Rahmen des Konzeptes der Fokuswörter eine Maßnahme entwickelt, um über mehrere Jahre einen Wortschatz mit fast ausschließlich situationsunabhängig zu gebrauchenden Wörtern meist aus dem Kernvokabular dem UK-Anwender nahe zu bringen.

In diesem Konzept gibt es eine Liste von 100 Fokuswörtern, die aus 70 Wörtern aus dem Kernvokabular und 30 Wörtern aus dem Randvokabular, welches personenbezogen ausgewählt wird, besteht. (vgl. Sachse/Willke 2011).

Der UK-Anwender muss über Jahre ausgewählte Fokuswörter anwenden üben; sei es aktiv oder zunächst nur passiv. Es muss immer wieder evaluiert werden, ob die Fokuswörter weiter geübt werden oder ob neue Fokuswörter ausgewählt werden sollen.

Das Einführen und Festigen der Fokuswörter aus den Fokuswörterreihen an unserer Schule findet alle zwei Wochen mittels der neuen „Gebärde der Woche“ statt. Das jeweilige Fokuswort wird mittels Schrift, Foto, Symbol und Gebärde mit einer zusätzlichen Spieleidee eingeführt sowie einer beweglichen Gebärde auf dem Monitor im Schulflur.

Literatur

Boenisch, J./Musketa, B./Sachse, St. (2007): Die Bedeutung des Vokabulars für den Spracherwerb und Konsequenzen für die Gestaltung von Kommunikationsoberflächen. In: Sachse, St./ Birngruber, C./Arendes, S. (Hrsg.): Lernen und Lehren im Kontext der Unterstützten Kommunikation.Karlsruhe

Sachse, S.; Willke, M. (2011): Fokuswörter in der Unterstützen Kommunikation. Ein Konzept zum sukzessiven Wortschatzaufbau. In: UK inklusive. Teilhabe durch Unterstütze Kommunikation. Karlsruhe

van Tatenhove, G. (2008): Teaching Core Vocabulary. Handout der Vortragsreise Deutschland

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Einheitlichkeit bei Fotos, Bildern und grafischen Symbolen?

An der Vorgebirgsschule gibt es bis auf wenige Ausnahmen bewusst keine verbindliche Einheitlichkeit bei Fotos, Bildern und grafischen Symbolen.

Lediglich bei den Fokuswörtern wird als Symbol (fast) immer ein PCS-Symbol verwendet.

Ansonsten werden aus sehr unterschiedlichen Symbolsammlungen (Picto-Selector, Metacom, Boardmaker etc.) und anderen Quellen Fotos, Bilder, Symbole und Zeichnungen im Tagesablauf für Stundenpläne, Kommuni-kationsmappen, Konsequenzpläne, Arbeitspläne, Kennzeichnungen, Strukturierungshilfen, Arbeitsblätter etc. verwendet, damit die SuS in ihrer Wahrnehmung und Kognition diesbezüglich flexibel bleiben und nicht nur grundsätzlich immer einen Begriff mit einer bestimmten Zeichnung oder einem bestimmten Symbol, Bild bzw. Foto verbinden.

Trotzdem entscheidet jedes Klassenteam selbst, ob bestimmte Fotos, Bilder oder grafische Symbole in der Klasse immer mit der gleichen Bedeutung benutzt werden oder ob unterschiedliche Systeme nebeneinander angewendet werden. Grundsätzlich ist dies immer individuell von SchülerIn zu SchülerIn abzustimmen.

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Prinzipien der Förderung in der Unterstützen Kommunikation

Laut Pivit und Hüning-Meier (2011) gibt es zunächst acht Prinzipien, die sehr bedeutsam sind bei der Förderung von SuS mit kommunikativen Unterstützungsbedarf:

  1. Zielvokabular für das Kind/den Jugendlichen für einen langen Zeitraum festlegen
  2. Sukzessive ausgewähltes Vokabular einführen
  3. Berücksichtigung unterschiedlicher Funktionen von Sprache bei der Bereitstellung von Zielwortschatz
  4. Kommunikationssituationen für den Anwender sinnvoll und sinnstiftend gestalten
  5. Alltägliche Routinen nutzen
  6. Fragen formulieren, die ein Um- und Beschreiben herausfordern und viele Adjektive bei allen Themen anbieten
  7. Zeitlichen Vorlauf anbieten und geduldig sein
  8. Hilfestellung anbieten: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich (vgl. ebd).

Außerdem gibt es noch die weiteren vier Prinzipien des Modelings.

Beim Modeling nach Sachse/Boenisch geht es darum „dem unterstützt Kommunizierenden vorzuleben, wie man dieses Wort in der Kommunikation einsetzt“ (Pivit/Hüning-Meier 2011 01.037.003) und weniger darum, konkret zu zeigen, wo genau sich ein Wort befindet bei der jeweiligen Kommunikationsform.

Zum Unterstützen der Kommunikation sollten zunächst nur wenige Wörter begleitend zur Lautsprache modelliert werden. Sind schon einige Wörter bekannt, werden die schon bekannten Zielwörter modelliert sowie ein bis zwei neue Wörter. Die weiteren Prinzipien angelehnt auch an Sachse/Boenisch beim Modeling sind:

  1. Inhaltsgebunden Kommunikation anbieten
  2. Laut verbal über die Strukturierung des Vokabulars nachdenken
  3. Aussagen mit Zeigen von Schlüsselwörtern unterstützen
  4. Aussagen von Worten zu Sätzen modellieren (vgl. Pivit/Hüning-Meier 2011)

Literatur

Pivit, C.; Hüning-Meier, M.(2011): Wie lernt ein Kind unterstützt zu kommunizieren? -

Allgemeine Prinzipien der Förderung und Prinzipien des Modelings. In: Handbuch der Unterstützen Kommunikation. Karlsruhe

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Körpereigene Kommunikationsformen in der UK an der Vorgebirgsschule

Da ca. 40% unserer SuS nur sehr rudimentär in der Lage sind zu kommunizieren, ist es wichtig, als zentrales Medium der Kommunikation den gesamten Körper miteinzubeziehen (Braun/Kristen 2003).

Der Körper ist das basale Kommunikationsmedium, welches als körpereigene Kommunikationsform in der Unterstützen Kommunikation genutzt werden kann über:

►Atem und Atemrhythmus, Körperhaltung und -reaktionen

►Sensomotorik

►Gesten und Blicke

►Lautäußerungen, Mimik und Gestik, um Emotionen auszudrücken

►Vokalisationen, Mimik und Gestik mit einer ersten eindeutigen Bedeutung(ja, nein, noch mal etc.)

►Gebärden

►Individuelle Ausdrucksweisen (vgl. ebd.)

Bei diesen Kommunikationsmöglichkeiten, angelehnt an der Basalen Stimulation nach Fröhlich oder der Basalen Kommunikation nach Mall, geht es um die bedeutsame Kontaktaufnahme sowie gemeinsam erlebte Aktivitäten und Begegnungen, um darüber Motivation für eine weitere Kommunikationsanbahnung zu eröffnen. Dabei steht der Beziehungsaspekt immer im Vordergrund, wobei die Verantwortung für die Kommunikation immer beim Kommunikationspartner ohne Behinderung liegt (vgl. ebd.)

Literatur

Braun, U.; Kristen U. (2003): Körpereigene Kommunikationsformen. In: Handbuch der Unterstützen Kommunikation. Karlsruhe

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Gebärden

An der Vorgebirgsschule wird parallel zur Lautsprache mit einzelnen Gebärden kommuniziert, wovon alle SuS einer Klasse profitieren, da viele Informationen erst durch die begleitende, ausdrucksstarke Gebärde auch von lautsprachlich gut kommunizierenden SuS verstanden werden.

Ebenfalls mit Zweisprachigkeit aufgewachsene SuS profitieren häufig von einer Konkretisierung mittels der Gebärden.

Viele SuS mit UK-Bedarf sind in der Lage, sich mit einzelnen Gebärden aktiv mitzuteilen oder aber können passiv das Gesagte besser verstehen, auch wenn sie selbst feinmotorisch nicht in der Lage sind, die jeweilige Gebärde auszuführen. Gebärden unterstützen somit das Sprachverständnis und ersetzen oder bahnen die Sprachproduktion an und führen häufig zu einer Wortschatzerweiterung (vgl. Dies 2003).

Im Rhein-Sieg-Kreis verwenden alle Förderschulen GG bis auf wenige Ausnahmen verbindlich die Gebärden vom Karin Kestner Verlag: „Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache“. Die DVD ist im Lehrerarbeitszimmer auf einem Computer zugänglich, so dass dort jederzeit Gebärden nachgeschaut werden können.

Bei den Gebärden orientiert sich die Schule bei der Vokabularauswahl an den Fokuswörterreihen nach Sachse und Willke (2011).

Alle zwei Wochen gibt es eine neue „Gebärde der Woche“, die sich an der Fokuswörterliste orientiert. Neben der Einführung von neuen Gebärden werden auch die alten Gebärden im Wechsel wiederholt, um sie weiter zu festigen.

Die „Gebärde der Woche“ präsentiert sich mittels eines Gebärdenfotos mit Überschrift, einem Symbol und einer Talkerkombination sowie einer Spieleidee, die zur Unterstützung der Einführung und Festigung gedacht ist. Außerdem wird sie auf dem Fernsehmonitor im Schulflur auch noch als sich bewegende Gebärde abgespielt. Die „Gebärde der Woche“ wird in dem dazugehörigen Klassenordner gesammelt, so dass auch dort jederzeit auf die Gebärde ein Zugriff möglich ist und steht im Downloadbereich der UK-Plattform zur Verfügung.

Gebärdenplakate in allen Klassen sollen das Nachschauen von einzelnen Vokabeln erleichtern und zum Benutzen von Gebärden anregen.

Immer wieder werden in den Klassen Lieder mit Gebärden begleitet, was auch regelmäßig im Gottesdienst und anderen Feierlichkeiten der Fall ist.

Unterschiedliche themenbezogene Gebärdensammlungen sind als Unterstützung für die Klassen zusammengefasst worden und werden auf Anfrage hin gerne weiter erstellt.

Auf der Homepage stehen derzeit im internen Bereich bei der Unterstützen Kommunikation folgende Bereiche zum Thema „Gebärden“ zum Download

bereit:

►Fokuswörter mit der Fokuswörterreihe

►Schullied

►Themenbezogene Gebärden

►Raumbeschilderung

►Bildkarten Gebärden

►UK-Dokumentationsbogen

Bei der Schülerversammlung sind die „Gebärden“ ein fester Bestandteil des Programms.

Eine „Top 50 Gebärden“- Mappe steht in allen Klassen bereit, als Sammlung von wichtigem und besonders schulrelevantem Kern- und Randvokabular, welches alle Förderschulen GG im Rhein-Sieg-Kreis anwenden.

Literatur

Dies, A. (2003): Gebärden – Kommunikationsmittel für Menschen mit geistiger Behinderung. In: Handbuch der Unterstützen Kommunikation. Karlsruhe

Sachse, S.; Willke, M. (2011): Fokuswörter in der Unterstützen Kommunikation. Ein Konzept zum sukzessiven Wortschatzaufbau. In: UK inklusive. Teilhabe durch Unterstütze Kommunikation. Karlsruhe

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Der TEACCH-Ansatz

An der Vorgebirgsschule wird mit dem TEACCH-Ansatz gearbeitet, was keine direkte nichtelektronische Kommunikationshilfe der Unterstützen Kommunikation darstellt, sondern mehr ein Ansatz zur Förderung von Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung sowie Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen ist. Der Fokus liegt hierbei sehr auf der Unterstützung des Sprach- und Situationsverständnisses, was mittels Strukturierung und dem Einsatz visueller Medien erreicht werden soll. Im Mittelpunkt steht die Förderung personenunabhängiger Äußerungsmöglichkeiten(vgl. Häußler 2012).

Unter Strukturierungshilfen mit visuellen Medien fallen die

►Strukturierung des Raumes (Abgrenzungen, Markierungen,Orientierungspunkte)

►Strukturierung der Zeit (Abfolgen, Zeitdauer)

►Strukturierung von Material und Instruktionen (Gestaltung des Materials)

►Funktionale Routinen (Einübung festgelegter Handlungsabläufe) (vgl. Häußler 2012).

Literatur

Häußler, A. (2012); Der TEACCH Ansatz – ein umfassendes Konzept zur Förderung von Menschen mit Autismus und ähnlichen Kommunikationsbehinderungen. In: Handbuch der Unterstützen Kommunikation. Karlsruhe

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PECS

Eine Methode der Unterstützten Kommunikation ist das PECS, was immer wieder bei einzelnen SuS mit Kommunikationsbeeinträchtigungen an der Vorgebirgsschule angewandt wird.

„PECS ist die Abkürzung für Picture Exchange Communication System und wird am besten als „Kommunikationssystem mit Bildkartenaustausch“ übersetzt.“ (Bach 2003, 03.024.001)

Der Schüler bzw. die Schülerin soll mittels Kartenaustausch ihre Bedürfnisse und Wünsche mitteilen. Diese Bildkarten werden in einer Kommunikationsmappe aufbewahrt, um sie bei Bedarf gegen ein Objekt oder eine Handlung einzutauschen. Ziel bei dieser Kommunikationsform ist die Förderung von spontaner Kommunikation. Dies kann von einfachen Worten bis hin zu Sätzen verlaufen, abhängig von den individuellen Möglichkeiten des Kindes/ Jugendlichen (vgl. Bach 2003).

Literatur

Bach, H. (2003): Biete Bildkarte – Suche Gummibärchen. Die Anwendung des PECS.

In: Handbuch der Unterstützen Kommunikation. Karlsruhe

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MOHECO-Kommunikationsmappe

Alle Klassen halten eine MOHECO-Kommunikationsmappe, entwickelt von Bollmeyer/Hüning-Meyer/Pivi, bereit, mit der sich einzelne SuS der Klasse ergänzend oder ausschließlich ausdrücken können. Sie enthält einen Großteil Kernvokabular und themenbezogenes Randvokabular. Da alle Kommunikationsmappen gleich aussehen, ist es für die Lehrperson einfacher, sich in diese Mappe einzuarbeiten. Sie kann für die SuS teilweise noch individualisiert werden.

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Kölner Kommunikationsmaterialien

Die Kölner Kommunikationstafel und Kommunikationsmappe, entwickelt von Boenisch/Sachse, sind ebenfalls aufgebaut basierend auf den neuesten Erkenntnissen zum Kern- und Randvokabular. Diese kann bei den UK-Beauftragten ausgeliehen werden.

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„Über-mich“-Buch

Jedes Klassenteam der Vorgebirgsschule erstellt in Zusammenarbeit mit den Eltern/dem Heim zwei „Über-mich“-Bücher pro Schuljahr für ihre wenig/nicht-sprechende SuS. Jede/r SuS erhält im Laufe des Schullebens ein eigenes „Über-mich“-Buch. Für diese Art des „Über-mich“-Bu ches gibt es eine unterstützende Vorlage.

Ziel des Buches ist die Weitergabe von Informationen über nicht bzw. wenig sprechenden SuS der eigenen Klasse an Personen, die den/die SuS nicht kennen. Dieses Buch kann auch mit der Funktion Kommunikationsanlass zusammen mit dem/der SuS individuell gestaltet werden.

►Das jeweilige Klassenteam erstellt die „Über-mich“-Bücher

►Die Vorlage des „Über-mich“-Buchs fungiert gleichzeitig auch als Fragebogen an Eltern und Heim. Dieser wird mit einem Eltern/Betreuerbrief an diese weitergeleitet.

►Das Klassenteam füllt im „Über-mich“-Buch die Bereiche aus, die es bereits ausfüllen kann, es muss nicht alles fertig sein!

►Das „Über-mich“-Buch kann in der Klasse verbleiben oder täglich mitgeschickt werden

Das „Über-mich“-Buch wird nach der Erstellung kopiert und ein Exemplar den Eltern bzw. dem Heim mitgegeben werden.

Bei einem Klassenwechsel wird das „Über-mich“-Buch in die neue Klasse weitergereicht.

Die Aktualisierung der „Über-mich“-Bücher in Zusammenarbeit mit den Eltern/Heim findet jeweils nach der Fertigstellung der Förderpläne statt.

Das „Über-mich“-Buch wird im Förderplanordner aufbewahrt. Sollte es für einen längeren Zeitraum aus dem Förderplanordner herausgenommen werden, so ist im Förderplanordner zu notieren, wo es sich aktuell befindet.

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Schwerpunkt in den individuellen Förderpläne

Eine Absprache aller Förderschulen GG im Rhein-Sieg-Kreis besagt, dass bei der Förderplanung von SuS, die sich nicht, nur schwer verständlich oder nur unter günstigen Bedingungen lautsprachlich anderen Menschen mitteilen können, ein Förderziel immer den Entwicklungsbereich „Kommunikation“ berücksichtigen muss.

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UK-Dokumentationsbogen

Im UK-Dokumentationsbogen wird 1x jährlich mit der Erstellung der 2. Förderpläne der aktuelle Entwicklungsstand bezüglich der Unterstützten Kommunikation eines UK-Schülers bzw. einer UK-Schülerin festgehalten. Der UK-Dokumentationsbogen befindet sich im Förderplanordner der jeweiligen SuS.

Dokumentiert werden:

►aktuelle Ansprechpartner

►Aktueller Stand im Kommunikationsverhalten

►Neuanschaffungen von basalen UK-Hilfsmitteln bis hin zu komplexen UK-Hilfsmitteln

►Aktueller Stand von Fokuswörtern und Randvokabular (außer bei basal kommunizierenden SuS)

►Sonstige Besonderheiten

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Raumbeschilderung

In unserer Schule ist die Fachraumbeschilderung mit Wort, Symbol und Gebärde ausgestattet, so dass auch SuS, die Schwierigkeiten beim Lesen bzw. Sprechen haben, die Möglichkeit haben, sich im Schulgebäude zu orientieren. Die Klassenräume haben die Möglichkeit ihr Klassenfoto etc. im Rahmen aufzuhängen und können per Ankreuzen angeben, in welchem Fachraum sie sich gerade befinden.

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Ausblick

Ein Informationsabend für Eltern und MitarbeiterInnen der Heime bezüglich basaler Kommunikationsgeräte ist noch in diesem Schuljahr angedacht.

Die Anschaffung von zwei I-Pads je Förderschule ist bereits in Zusammenarbeit mit den anderen Förderschulen GG im Rhein-Sieg-Kreis geplant.

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